AgSnO₂ wird häufig für Relaiskontakte eingesetzt, da es eine nützliche Kombination aus elektrischer Leitfähigkeit, Verschweißbeständigkeit und Beständigkeit gegen Lichtbogenerosion bietet. Die chemische Zusammensetzung allein bestimmt jedoch nicht die Leistungsfähigkeit. Auch die Größe und Verteilung der Oxidpartikel sowie die Härte und der Gehalt an Zusatzstoffen beeinflussen das Verhalten der Kontakte beim Schalten.
Die hier zusammengefasste Studie verglich ein konventionelles AgSnO₂-Material mit einer modifizierten Formulierung unter denselben Bedingungen einer Kfz-Lampenlast. Das modifizierte Material erreichte eine um etwa 60 % höhere charakteristische Lebensdauer im simulierten Kontaktversuch und eine um 46 % höhere charakteristische Lebensdauer in vollständigen Relais. Die Ergebnisse zeigen, warum die Materialauslegung auf die tatsächliche Relaislast abgestimmt werden muss.
Was wurde in der Studie verglichen?
Beide Materialien wurden durch interne Oxidation hergestellt, zu
Silberlegierungsdraht mit einem Durchmesser von 1,4 mm verarbeitet und durch Kaltumformung zu Kontaktnieten gefertigt. Beide enthielten 85,5 Gew.-% Ag und 4 Gew.-% In₂O₃, während SnO₂ den Rest ausmachte. Sie verwendeten dasselbe Zusatzstoffsystem, wobei das modifizierte Material 2 Gew.-% Zusatzstoffe enthielt, verglichen mit 1 Gew.-% beim konventionellen Material.
Die
Kontaktnieten wurden in einem simulierten Kontaktversuch sowie in vollständigen Kfz-Relais unter demselben 13,5-V-Lampenlastprofil geprüft. Die wichtigsten Prüfbedingungen und Ausfallkriterien sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
Tabelle 1. Wichtige elektrische Prüfbedingungen
| PRÜFPARAMETER |
BEDINGUNG |
Lastprofil
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Simulierte Kfz-Lampenlast
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Spannung
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13,5 V DC
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Strom
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90 A Einschaltstrom; 20 A Dauerstrom
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Schaltzyklus
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1 s ein / 1 s aus; Betrieb bis zum Ausfall
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Ausfallkriterien
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Simulierter Versuch: Schweißkraft über 30 g bei fünf aufeinanderfolgenden Schaltvorgängen. Relaisversuch: Spannungsabfall über 1,35 V.
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Was wurde am modifizierten Material verändert?
Die Rasterelektronenmikroskopie zeigte einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Materialien. Die meisten Oxidpartikel im konventionellen Material waren kleiner als 1 µm. Das modifizierte Material enthielt einen höheren Anteil größerer Partikel, darunter Partikel mit einer Größe von etwa 1 µm.
(a) Konventionelles AgSnO₂, 3.000× (b) Modifiziertes AgSnO₂, 3.000×
Abbildung 1. REM-Mikrostrukturen der konventionellen und modifizierten AgSnO₂-Materialien bei 3.000×.
Diese Veränderung der Partikelverteilung veränderte das Verhältnis der Materialeigenschaften. Das konventionelle Material war härter und fester. Das modifizierte Material war weicher, aber duktiler; die Bruchdehnung stieg von 17 % auf 25 %. Außerdem zeigte es einen geringfügig niedrigeren elektrischen Widerstand, was auf eine etwas bessere Leitfähigkeit hinweist. Die Dichte blieb unverändert.
Tabelle 2. Mechanische und physikalische Eigenschaften der beiden AgSnO₂-Materialien.
| EIGENSCHAFT |
KONVENTIONELL |
MODIFIZIERT |
Härte (HV0.3)
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120,7
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101,3
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Zugfestigkeit (MPa)
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382
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330
|
Bruchdehnung (%)
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17
|
25
|
Elektrischer spezifischer Widerstand (µΩ·cm)
|
2,47
|
2,40
|
Dichte (g/cm³)
|
9,75
|
9,75
|
Bei Relaiskontakten bedeutet eine höhere Härte nicht automatisch eine bessere Leistung. Ein härterer Kontakt kann beim Schließen stärker zurückfedern. Bei jedem Rückprall werden die Kontaktflächen kurz voneinander getrennt und anschließend wieder verbunden, wodurch zusätzliche Lichtbögen entstehen können. Unter den Bedingungen dieser Studie trug die geringere Härte des modifizierten Materials dazu bei, dass sich das Kontaktpaar stabiler schloss.
Längere Lebensdauer bei derselben Lampenlast
Für jedes Material wurden in beiden Prüfverfahren fünf Tests durchgeführt. Die Lebensdaueranalyse zeigte in beiden Prüfverfahren denselben Leistungstrend: Das modifizierte Material hielt jeweils länger.
Im simulierten Kontaktversuch stieg die charakteristische Lebensdauer von 146.573 Schaltvorgängen beim konventionellen Material auf 234.856 Schaltvorgänge beim modifizierten Material – eine Verbesserung von etwa 60 %. In vollständigen Relais stieg die charakteristische Lebensdauer von 174.153 auf 254.698 Schaltvorgänge, was einer Verbesserung von 46 % entspricht.
Tabelle 3. Charakteristische Lebensdauer in Schaltvorgängen. Die Werte in Klammern sind 95-%-Konfidenzintervalle.
| PRÜFFORMAT |
KONVENTIONELL |
MODIFIZIERT |
STEIGERUNG |
Simulierter Kontaktversuch
|
146.573 (139.585-153.908) |
234.856 (230.279-239.977) |
+60,2 %
|
Vollständiger Relaisversuch
|
174.153 (167.314-181.272) |
254.698 (250.795-258.661) |
+46,2 %
|
Die Übereinstimmung zwischen den beiden Prüfverfahren ist wichtig, da ein simulierter Kontaktversuch die Validierung im endgültigen Relais nicht ersetzen kann. In diesem Fall zeigten jedoch beide Verfahren denselben allgemeinen Trend. Dies liefert stärkere Hinweise darauf, dass das modifizierte Material unter der geprüften Lampenlast einen tatsächlichen Leistungsvorteil bot.
Die Studie verwendete eine begrenzte Anzahl von Tests. Daher gelten die genauen Lebensdauerwerte nur für die untersuchten Materialien und Bedingungen. Sie sollten nicht als garantierte Lebensdauer für jedes Relaisdesign oder jede Betriebsumgebung betrachtet werden.
Warum hielt das modifizierte Material länger?
Die Verbesserung lässt sich durch eine einfache Abfolge von Ereignissen erklären. Da das modifizierte Material weicher war, absorbierten die Kontakte einen größeren Teil des Aufpralls beim Schließen. Sie prallten weniger häufig zurück und hatten dadurch weniger Möglichkeiten, sich erneut zu trennen und unmittelbar nach dem Schließen einen weiteren Lichtbogen zu erzeugen.
Auch die auftretenden Lichtbögen waren weniger stark. Während des größten Teils des simulierten Tests zeigte das modifizierte Material eine geringere Lichtbogenenergie und eine kürzere Lichtbogendauer. Die Schweißkraft war während eines Großteils des Tests etwa 0,04 N niedriger. Die wichtigsten Unterschiede sind in Tabelle 4 zusammengefasst, während Abbildung 2 zeigt, wie sich Lichtbogenenergie und -dauer während des Tests veränderten.
Tabelle 4. Typisches Schaltverhalten während des größten Teils des simulierten Kontaktversuchs.
| SCHALTINDIKATOR |
KONVENTIONELL |
MODIFIZIERT |
Kontaktprellen
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Typischerweise 4-9 Rückpraller
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Typischerweise 0-6 Rückpraller
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Lichtbogenenergie
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Etwa 20-50 mJ
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Etwa 10-30 mJ
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Lichtbogendauer
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Etwa 1,7-2,0 µs
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Etwa 1,5-1,75 µs
|
(a) Konventionell - Lichtbogenenergie (b) Modifiziert - Lichtbogenenergie
(c) Konventionell - Lichtbogendauer (d) Modifiziert - Lichtbogendauer
Abbildung 2. Lichtbogenenergie und -dauer der konventionellen und modifizierten AgSnO₂-Materialien.
Vereinfacht ausgedrückt folgte das modifizierte Material einer günstigeren Verhaltenskette: Ein weicheres Kontaktmaterial führte zu weniger Kontaktprellen; weniger Prellen reduzierte zusätzliche Lichtbögen; und eine geringere Lichtbogenintensität verlangsamte die Oberflächenbeschädigung. Der Verschleiß wurde dadurch nicht vollständig verhindert, aber der Zeitpunkt hinausgezögert, an dem die Schäden begannen, das Schaltverhalten zu destabilisieren.
Was zeigten die Kontaktoberflächen?
Die Oberflächen nach dem Test zeigten, dass sich die beiden Materialien nicht einfach nur mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten abnutzten. Sie entwickelten unterschiedliche Arten von Schäden.
Beim konventionellen Material wurde Material vom stationären Kontakt auf den beweglichen Kontakt übertragen. Dadurch entstand auf einer Seite eine erhöhte Ablagerung und auf der anderen Seite eine entsprechende Vertiefung. Die rauen und unebenen Oberflächen erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass die Kontakte miteinander verschweißten, was zur Hauptursache des Ausfalls wurde.
Das modifizierte Material zeigte eine geringere gerichtete Materialübertragung. Der Materialverlust trat hauptsächlich am stationären Kontakt auf und verteilte sich gleichmäßiger über die Kontaktfläche. Die Oberfläche blieb vergleichsweise glatt, anstatt dasselbe ausgeprägte Muster aus Ablagerung und Vertiefung zu bilden. Dies trug dazu bei, das Verschweißen der Kontakte hinauszuzögern, obwohl sich der Verschleiß weiter ansammelte.
(a) Konventionell - beweglicher Kontakt (b) Konventionell - stationärer Kontakt
(c) Modifiziert - beweglicher Kontakt (d) Modifiziert - stationärer Kontakt
Abbildung 3. Kontaktoberflächen nach dem Test beim Ausfall: konventionelles Material, 138.260 Schaltvorgänge; modifiziertes Material, 224.795 Schaltvorgänge.
Im simulierten Test begann die Schweißkraft des modifizierten Materials nach etwa 100.000 Schaltvorgängen anzusteigen und nahm oberhalb von 200.000 Schaltvorgängen schnell zu. Der endgültige Ausfall war mit dem kumulierten Materialverlust am stationären Kontakt und einer Schweißkraft verbunden, die den Prüfgrenzwert überschritt. Das modifizierte Material verlängerte somit die Zeit bis zum Ausfall, verhinderte die Schädigung jedoch nicht dauerhaft.
Was bedeutet das für das Relaisdesign?
Die Ergebnisse weisen auf drei praktische Erkenntnisse für Kfz-Relais und andere Relaisanwendungen mit hohen Gleichstrom-Einschaltströmen hin:
- Das Lastprofil muss bei der Auslegung berücksichtigt werden. Ein Material, das unter einer bestimmten Last gut funktioniert, muss unter einer anderen Last nicht dasselbe Eigenschaftsgleichgewicht bieten. Lampenlasten stellen besonders hohe Anforderungen an die Kontaktstabilität und die Verschweißbeständigkeit.
- Eine höhere Härte bedeutet nicht immer eine längere Lebensdauer. In diesem Test absorbierte das weichere modifizierte Material einen größeren Teil des Schließaufpralls und reduzierte dadurch das Kontaktprellen sowie die zusätzlichen Lichtbögen, die darauf folgen können.
- Bei der Materialauswahl müssen mehrere Eigenschaften ausgewogen berücksichtigt werden. Leitfähigkeit, Härte, Kontaktstabilität, Erosionsbeständigkeit und Verschweißbeständigkeit müssen auf die tatsächlichen Schaltbedingungen der jeweiligen Anwendung abgestimmt werden.
Fazit
Unter der getesteten 13,5-V-Kfz-Lampenlast zeigte das modifizierte AgSnO₂-Material eine längere elektrische Lebensdauer, eine geringere Lichtbogenenergie, eine kürzere Lichtbogendauer und einen weniger ausgeprägten Materialtransfer als das konventionelle Material. Sein höherer Zusatzstoffgehalt, die gröbere Verteilung der Oxidpartikel und die geringere Härte standen im Zusammenhang mit einem stabileren Kontaktverhalten und einem anderen Muster der Oberflächenbeschädigung.
Die übergeordnete Erkenntnis ist einfach: Das beste
elektrische Kontaktmaterial ist nicht einfach die härteste oder leitfähigste Option. Eine zuverlässige Leistung entsteht durch die Abstimmung von Zusammensetzung, Mikrostruktur und mechanischen Eigenschaften auf die tatsächliche Last. Bei Relais mit Lampenlast können die Reduzierung des Kontaktprellens und die Begrenzung der Lichtbogenintensität ebenso wichtig sein wie die grundlegende Leitfähigkeit des Materials.
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